Vor dem Hintergrund stark schwankender Kraftstoffpreise – ausgelöst durch den Iran-Krieg – rücken immer stärker Antriebsalternativen auch für Nutzfahrzeuge in den Blick. Wie ist der derzeitige Stand?
Betrachtet man die Zulassungszahlen für Pkw fällt auf, dass batterie-elektrische Antriebe immer stärker nachgefragt werden. Nach der Analyse des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg zum ersten Halbjahr 2026 stieg der Anteil an neuen Stromern gegenüber dem 1. Halbjahr 2025 um rund 48 Prozent auf fast ein Viertel aller Pkw-Neuzulassungen. Einen noch größeren Anteil erreichten Hybridfahrzeuge mit insgesamt fast 40 Prozent (+ 9,8 Prozent zum Vorjahreszeitraum). Dabei profitieren diese Antriebsarten von den derzeit hohen Spritpreisen ebenso wie von der neuen staatlichen Förderung im laufenden Jahr. Überdies kommen mehr und mehr kostengünstigere E-Autos in Deutschland auf den Markt. Damit liegt Deutschland bei den PKW-Neuzulassungen durchaus im europäischen Trend.
Im Europäischen Maßstab kam das starke Wachstum bei neuen E-Autos in Europa in den ersten fünf Monaten 2026 nach den Veröffentlichungen des Europäischen Automobilherstellerverbandes ACEA vor allem aus drei Ländern: Italien (+75,7 %), Frankreich (+55,4 %) und Deutschland (+40,9 %).
Langfristig werden aber u. a. die laufenden Betriebskosten darüber entscheiden, wie viele Elektrofahrzeuge einen Käufer finden. Ein wesentlicher Aspekt dafür ist, wie stark der Ladestrom an öffentlichen Säulen zu Buche schlägt, denn vor allem in Städten ist die Möglichkeit begrenzt, sein E-Auto an der häuslichen Wallbox – am besten mit dem eigenen PV-Strom zu laden. Und wer längere Strecken unterwegs ist, muss ohnehin an die öffentliche Ladestation. Und hier schwanken die Preise extrem und hängen erheblich vom Vertragsstatus der Fahrzeugbesitzer ab. Wer völlig unabhängig an einem Schelllader Strom zapfen will, muss teilweise mit 85 Cent pro kWh rechnen. Dann wird die Reise mit dem E-Auto zum teuren Vergnügen und selbst bei derzeit hohen Preisen an der Tankstelle schnell kostspieliger, als mit klassischem Diesel oder Benzin.
Bei Nutzfahrzeugen ergibt sich ein etwas anderes Bild als bei Pkw: 92 Prozent der in Europa neu zugelassenen Lkw fuhren im ersten Quartal 2026 mit Dieselkraftstoff. In Deutschland trifft das auf 91 Prozent der neuen Trucks zu. Hier sieht man einen wesentlichen Unterschied zwischen Lkw, die über längere Strecken unterwegs sind und Bussen, von denen viele im städtischen Nahverkehr eingesetzt werden. Von letzteren wurden sowohl im europäischen Maßstab wie in Deutschland fast 35 Prozent im ersten Quartal 2026 mit einem alternativen Antrieb neu zugelassen.
Angesichts des hohen Anteils an klassischen Verbrennermotoren bei Lkw wird es umso wichtiger, hier erneuerbare Kraftstoffe wie HVO flächendeckend einzusetzen, wenn die Klimaziele für den Verkehrssektor auch nur annähernd erreicht werden sollen.
Noch deutlicher wird diese Notwendigkeit, wenn man sich den Fahrzeugbestand in Europa anschaut: Rund 96 Prozent der Lkw in der Europäischen Union werden mit Dieselkraftstoff betrieben und nur 0,3 Prozent elektrisch. Das geht aus einer Information von trans.iNFO hervor – einem der größten europäischen Online-Nachrichtenportale für die Transport-, Speditions- und Logistikbranche.
Fazit: Der Irankrieg und seine Folgen für die Ölmärkte haben die Logistik verteuert. Der Dieselpreis ist noch immer nicht auf Vorkriegsniveau. Daran änderte auch die in Deutschland neue eingeführte 12-Uhr-Regel für Preiserhöhungen an den Tankstellen nichts. Aber: Der Wandel weg vom Verbrenner wird noch lange dauern. Das gilt für den Nutzfahrzeugbereich ebenso wie für den Pkw.
Erneuerbare Kraftstoffe sind daher unverzichtbar – schon allein, wegen des zunehmenden Alters der Fahrzeuge. Das liegt für Lkw in Europa bei rund 14 Jahren (Deutschland fast 10 Jahre) und für Pkw europaweit bei fast 13 Jahren und in Deutschland am 1. Januar 2026 bei durchschnittlich 10,9 Jahren.





