Die deutsche Tankwagenbranche kämpft mit schwierigen Rahmenbedingungen, zeigt aber auch mit innovativen Ansätzen und Nutzung von Marktchancen ihr Potenzial.
Schwache Nachfrage
Die Nachfrage nach neuen Tankfahrzeugen befindet sich nach Einschätzung aus der Branche auf einem Tiefpunkt. Ein entscheidender Grund dafür ist die aktuelle Marktlage bei vielen mittelständischen Mineralölhändlern. Die Endverbraucher reagieren sehr preissensibel und nutzen insbesondere beim Heizöl die Möglichkeit, mit Bestellungen zu warten, bis das Preisniveau wieder sinkt. Wann das allerdings passiert, kann keiner mit Sicherheit sagen. Für den Herbst wird daher mit einer Bedarfswelle gerechnet, um die Tanks für den kommenden Winter zu füllen.
Im ersten Halbjahr entwickelte sich das Mineralölgeschäft allerdings negativ. Nach den jüngsten Daten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen ist der Mineralölabsatz in allen Bereichen – und teilweise deutlich – rückläufig. Während der Verbrauch von Ottokraftstoff nur um 0,6 Prozent sank, reduzierte sich die Diesel-Nachfrage um knapp 6 Prozent. Hier dürfte sich die schwache Wirtschaftsentwicklung niederschlagen. Der Absatz von leichtem Heizöl brach sogar um mehr als ein Drittel gegenüber dem Vorjahr ein.

In einer solchen Situation vertagen viele Mineralölunternehmen die Bestellungen neuer Tankfahrzeuge. Bleibt abzuwarten, ob das Interesse nach neuen Tankfahrzeugen mit dem Mineralölmarkt im Herbst wieder anspringt. Nachfragedellen sind in diesem Geschäft nicht unbedingt neu. Bei Heizöl ist sie aber im laufenden Jahr besonders stark ausgeprägt. Das drückt die Stimmung. Hinzu kommt, dass die Nachfrageflaute im Energiemarkt die Konsolidierung in der Mineralölbranche vorantreibt, es also schlicht weniger Firmen werden, die künftig neue Tankwagen benötigen könnten.
Auch Spezialgebiete wie Fahrzeuge für kryogene Gase oder Flüssiggas leiden unter der mageren gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.
Kosten und Bürokratie
Wie in anderen Bereichen steigen die Kosten auch im Tankfahrzeugbau – für Material, Komponenten, Fahrgestelle, für Personal und Energie. Das schlägt sich auf die Fahrzeugpreise nieder und lässt die Kunden sehr genau rechnen. Ergo: Der Wettbewerbsdruck nimmt auch im Fahrzeugbau weiter zu.
Überdies berichten die Branchenunternehmen von einer unverändert hohen Bürokratielast. Da zahlreiche regulatorische Anforderungen aus der EU kommen, ist davon nicht nur das Inlandsgeschäft betroffen, sondern auch der Exportbereich.
Aussichten
Dennoch blicken die Tankfahrzeugbauer in die Zukunft: Im Bereich Flugfeldfahrzeuge wird künftig weiteres Potenzial gesehen. Auch gibt es derzeit offenbar ein erstes Projekt für ein Mineralöltankfahrzeug mit elektrischem Antrieb.
Dazu könnte auf der bevorstehenden ETX in Kassel vielleicht mehr zu erfahren sein.
Positiver als in den vergangenen Jahren wird teilweise auch die Möglichkeit beschrieben, in einem sich verändernden Arbeitsmarkt neue Fachkräfte zu gewinnen.
Das Auslandsgeschäft wird unterschiedlich bewertet, dafür gewinnt der militärische Sektor auch für die Fahrzeugbauer wieder stärker an Bedeutung, um Rückgänge in anderen Bereichen zumindest in gewissem Umfang zu kompensieren.
ETX – The Energy Transport Xchange
17.–19. September 2026 | Messe Kassel, Hallen 3, 4, 5
www.etx-energylogistic.com






