In Deutschland noch ein zartes Pflänzchen, in Europa neu auf der Agenda: E20 – der Ottokraftstoff mit einem Bioethanol-Anteil von 20 Prozent. Gerade bei steigenden Kraftstoffpreisen könnten höhere Ethanolbeimischungen eine Entlastung der Autofahrer bringen.
E20 verspricht einen Mehrfachvorteil für die Mobilität der Zukunft:
- Die CO2-Emissionen im Verkehrssektor werden sofort reduziert. Denn die bei der Bioethanol-Herstellung genutzte Biomasse emittiert bei der Verbrennung im Motor nur so viel CO2, wie zuvor in der Wachstumsphase der Pflanzen aus der Atmosphäre entzogen wurde.
- Der Bioethanolanteil unterliegt nicht der CO₂-Bepreisung. Das macht E20 vergleichsweise kostengünstig.
- Fahrzeugexperten sehen positive Verbrennungseigenschaften in modernen Motoren – etwa wegen der hohen Klopffestigkeit.
- Viele moderne Fahrzeuge – beispielsweise von VW, BMW, Mercedes etc.) sind laut Tests für E20 geeignet. Durch diese Freigaben der Automobilhersteller steht der Praxistauglichkeit des neuen Kraftstoffes nichts im Wege.

Erste Tests laufen bereits auch in Deutschland und bestätigen diese Alltagstauglichkeit. Hier wird gezeigt, dass E20 ohne Einschränkungen im Alltag verwendet werden kann. Nach der ersten Anlage in Mannheim wurde vor kurzem in Gießen die zweite E20-Tankstelle in Deutschland eröffnet, an der geschlossene Flotten testweise tanken können. Wegen der noch fehlenden Normenanpassung kann E20 in Deutschland noch nicht frei an öffentlichen Tankstellen verkauft werden.
Schwung in den E20-Hochlauf könnten jüngste Bestrebungen der EU-Kommission bringen. Brüssel prüft derzeit aktiv die Einführung von E20-Kraftstoff mit Blick auf die Klimaziele im Verkehr und auf eine Senkung der Kraftstoffpreise. Gerade vor dem Hintergrund des Iran-Krieges bekommt das Thema eine besondere Bedeutung.
Um an den Tankstellen Platz für den neuen Kraftstoff zu schaffen, wird in Deutschland diskutiert, die bisherige „Schutzsorte“ E5 nicht mehr verpflichtend vorzuschreiben. Wie eine Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htw saar) ergab, müssten lediglich 0,1 Prozent der in Deutschland zurückgelegten Kilometer von Benzinfahrzeugen noch mit E5 gefahren werden. Im Umkehrschluss heißt das: Fast 100 Prozent der Benziner vertragen inzwischen E10. E5 muss also nicht mehr flächendeckend an deutschen Tankstellen angeboten werden. Eine gute Grundlage für die Einführung von E20 als nächsten Schritt zu einer klimafreundlichen Mobilität und ohne Verzicht auf Verbrennungsmotoren.
Und nicht zu vergessen: Weltweit ist E20 längst kein Unbekannter mehr: Etwa in Indien, Thailand, Brasilien und auch in den USA wird teilweise schon seit Jahrzehnten Benzin mit höheren Bioethanol-Beimischungen getankt. Es wird also Zeit, dass Europa und Deutschland hier nachziehen.



