Elektro-Lkw gewinnen an Tempo. Gleichzeitig zeigen Wasserstoff, erneuerbare Kraftstoffe und die bestehende Fahrzeugflotte: Die Zukunft der Logistik wird nicht von einer einzigen Antriebstechnologie bestimmt.
Elektrische Nutzfahrzeuge legen deutlich zu
Nicht nur die IAA in Hannover, sondern auch die ETX in Kassel haben gezeigt: Elektroantriebe finden in immer mehr Bereichen Anwendung. Das auf der ETX vorgestellte erste Heizöl-Verteilerfahrzeug, das vollelektrisch zum Kunden fahren kann, markierte einen weiteren Schritt in diese Richtung. In der Holzpellet-Belieferung setzen einzelne Handelsunternehmen bereits seit einigen Jahren Elektro-Lkw ein.
Die Entwicklung in Zahlen
100.000+
rein elektrische Transporter bis 3,5 Tonnen und Lkw sind in Deutschland zugelassen.
+90 %
betrug das Wachstum der Neuzulassungen in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
+40 %
legten die E-Lkw-Zulassungen in der EU im ersten Quartal 2026 im Jahresvergleich zu.
Deutschland ist damit der größte Wachstumsmotor für elektrische Nutzfahrzeuge in Europa. Besonders hohe E-Lkw-Anteile erreichen die Niederlande, Norwegen, Dänemark und Schweden. Deutschland liegt mit rund sieben Prozent ebenfalls über dem EU-Durchschnitt.
Mehr als nur Batterie: Wasserstoff als weitere Option
Batterieelektrische Antriebe sind nur eine Möglichkeit, den Straßengüterverkehr emissionsärmer zu gestalten. Mehrere namhafte Hersteller arbeiten an Wasserstoff-Verbrennungsmotoren oder Brennstoffzellen-Lkw. Der Unterschied ist wesentlich: In der Brennstoffzelle erzeugt Wasserstoff an Bord Strom für den Elektromotor. Beim Wasserstoff-Verbrennungsmotor wird er direkt in einem modifizierten Kolbenmotor verbrannt.
Welche Lösung sich in welchen Anwendungen durchsetzt, ist offen. Daimler Truck, Volvo Trucks, Iveco und MAN, aber auch Quantron, KEYOU und Paul Nutzfahrzeuge arbeiten an entsprechenden Wasserstoffkonzepten.
Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Verbrenner oder Strom? Entscheidend ist, welche Energie und welches Antriebskonzept zur jeweiligen Aufgabe passen.
Die bestehende Flotte braucht erneuerbare Kraftstoffe
Fast der gesamte Lkw-Bestand und mehr als 90 Prozent aller Lkw-Neuzulassungen sind weiterhin mit klassischen Verbrennungsmotoren ausgestattet. Um deren zusätzliche CO2-Emissionen zu reduzieren, können erneuerbare Kraftstoffe einen wichtigen Beitrag leisten.
- HVO100: Der erneuerbare Diesel ist bereits an rund 750 Tankstellen in Deutschland und etwa 8.000 Stationen in der EU erhältlich.
- Bio-CNG: In Deutschland gibt es knapp 650 CNG-Stationen mit 100-prozentigem Bio-CNG; europaweit sind es etwa 4.200.
- Bio-LNG: Europaweit stehen ungefähr 800 LNG-Tankstellen zur Verfügung, von denen ein großer Teil Bio-LNG anbietet.
Auch Strom ist nicht automatisch CO2-neutral
Elektrische Fahrzeuge fahren lokal emissionsfrei. Klimaneutral ist der eingesetzte Strom jedoch nur, wenn er aus erneuerbaren Quellen stammt. Der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch lag im vergangenen Jahr in der EU bei rund 50 Prozent und in Deutschland bei etwa 55 Prozent. Auf Jahresbasis stammt damit weiterhin ein erheblicher Teil des verbrauchten Stroms aus nicht erneuerbaren Quellen.
Zugleich steigt der Strombedarf in vielen Bereichen. Wetterabhängige Erzeugung steht nicht zu jeder Zeit bedarfsgerecht zur Verfügung. Flüssige Kraftstoffe besitzen unter Normalbedingungen eine Energiedichte von rund 10 kWh pro Liter und lassen sich vergleichsweise einfach lagern und transportieren. Das spielt insbesondere mit Blick auf Resilienz und die Versorgung von Einsatzfahrzeugen oder dem Militär eine Rolle. Langfristig rücken deshalb auch strombasierte, nachhaltige eFuels in den Fokus.
Fazit: Der Mix entscheidet
Für viele Anwendungen werden batterieelektrische Lkw eine gute Alternative sein. Sie als alleinige Lösung für den gesamten Mobilitätsbereich einschließlich Luft- und Schifffahrt zu betrachten, bleibt jedoch unrealistisch. Wahrscheinlicher ist ein Mix aus unterschiedlichen Energieträgern und Antriebskonzepten, die je nach Einsatzprofil gleichberechtigt nebeneinander bestehen.

